Brian McLaren

Brian McLaren

Brian McLaren ist ein supersympathischer väterlicher Englisch-Lehrer aus den USA, der irgendwann eine Gemeinde gründete. Gut, Englisch-Lehrer ist er nicht mehr, auch Pastor einer Gemeinde ist er nicht mehr, heute ist er “author, speaker, activist” und damit recht erfolgreich. Viele Menschen lesen seine Bücher, viele entdecken ihre eigenen Gedanken und Gefühle in Worte gefasst, viele lassen sich hinterfragen und herausfordern und ebenso viele sehen darin die Abkehr von den entscheidenden Eckpfeiler des Christentums.

Ich habe ihn in Marburg und Erlangen wirklich als einen sympathischen, demütigen Lehrer und gleichzeitig Lernenden erlebt. Er betonte immer wieder, dass er nicht der Experte aus den USA sein möchte, der nach Europa kommt und die Antworten mitbringt. Er sieht sich als ein Teil des Gesprächs. Und das ist er auch. Er ist ein wichtiger Teil, der viele richtige und wichtige Fragen stellt. Und er gibt gute Impulse, in welche Richtung man mal denken könnte. Besonders überzeugend fand ich den Freitag Abend, wo er den Inhalt seines aktuellen Buchs Everything Must Change vorstellte.
Ich kann jetzt auch gut nachvollziehen, warum er immer wieder „Vater der emerging church-Bewegung“ genannt wird.

Trotzdem gibt es so viele, die ihn scharf kritisieren. Auch ich finde sicherlich Stellen, wo ich theologisch eine andere Meinung vertreten (mir fällt aber auch kein Theologe ein, wo das anders wäre). Wichtig finde ich da etwas, was Gofi auf der Fahrt nach Erlangen sagte: „Man sollte Brian McLaren nicht als Theologen sehen, sondern als Künstler.”
Sicherlich spricht und schreibt er viel über Theologie, aber wer sein Werk nur mit einer systematisch-theologischen Brille anschaut, kann es nicht ganz erkennen. Für mich ist schon der Titel des ersten McLaren-Buchs, das ich las, ein wunderschönes Kunstwerk voller Wahrheit: A Generous Orthodoxy: Why I am a missional, evangelical, post/protestant, liberal/conservative, mystical/poetic, biblical, charismatic/contemplative, fundamentalist/Calvinist, Anabaptist/Anglican, Methodist, catholic, green, incarnational, depressed – yet hopeful, emergent, unfinished Christian. Rein logisch gesehen ist das natürlich Quatsch, trotzdem drückt es sehr viel davon aus, was und wie ich glaube und was und wer ich bin.


Weiterhin gibt es Links zu allen Berichten über das Forum und die Studientage bei mir unter Emergent Marburg, Hamburg & Erlangen

Technorati Tags: , , ,

8 Gedanken zu „Brian McLaren“

  1. Danke Daniel! Absolut richtig! Man kann von Brian McLaren (für mich ist der eigentlich gar nicht so wichtig…) ja denken was man will, aber diese Buffys und Geisterjäger (wie heißt der Gegenspieler von Dracula noch mal?) sollten wirklich mal überlegen, wen sie hier verdammen!

    Mit Vokabeln wie „antichristliche Strömung“ zu hantieren ist ja doch eine scharfe Nummer. Das Ganze bekommt dann eher Züge eine Hexenjagd- Moment, war da nicht mal was?

  2. Evangelikale Christen wehren sich halt schnell und massiv gegen die BÖSEN amerikanischen Einflüsse heutzutage.
    Darunter hat leider nicht nur McLaren zu leiden. Weitere Opfer solcher Hexenjagden wären da beispielsweise WillowCreek, John Ortberg und Rick Warren.
    Wir sind halt schon ein vorzeigechristliches Volk…
    @dermob: Van Helsing hieß er, so weit ich weiß. 😉

  3. okay… mal eine ganz banale frage: hat sich Jesus, und haben sich seine jünger, und haben sich die apostel wie paulus, und haben sich die krassesten erweckungsprediger und passioniertesten größen des glaubens JE von „was ist gerade hip in unserer kultur?“ leiten lassen, oder eher vom evangelium und einer leidenschaft für selbiges?

    ich finds etwas heftig zu sehen, dass in deutschland die gefahren der postmoderne (weg vom evangelium, hin zu einem erlebnis-glauben, der doch recht subjektiv ist) gar nicht erkannt werden, sondern wir uns immer weniger auf das konzentrieren, was KLAR in der bibel ist, und lieber über zig sachen diskutieren und „nachdenken“, anstelle das zu tun, was recht klar offenbart ist.. kein wunder, dass sich Jesus die eingeweide umgedreht haben als er sah, dass die verlorenen keinen hirten haben.. wir sollten um mitarbeiter beten – stattdessen rennen wir jedem modernen trend hinterher auf der suche nach dem nächsten hype?

    ich bin entsetzt.

    ist mclaren ein netter mann? bestimmt! propagiert er (ob gewollt oder nicht gewollt ist egal) eine sehr postmoderne sichtweise des evangeliums? sind die kritiken an ihm denn unberechtigt? ich denke nicht.. warum denkt eigentlich keiner mal darüber nach, WAS für krasse folgen eben diese emergent bewegung BEREITS HAT (siehe USA)? und warum das so derbe negative folgen sind? warum fragt eigentlich keiner in dieser diskussion nach, wo die haken sind?!

    warum sind leute wie JOHN PIPER eindeutig NICHT auf der emergent schiene, und belegen dies sogar mit klar durch das Wort Gottes?

    ich verstehe eure euphorie, aber ich bin enttäuscht, dass es so unkritisch passiert! 🙁

  4. Ordi, wirst du jetzt auch ein „copy & paste“-Kritiker?

    Wieauchimmer, ein paar Gedanken zu deinen Gedanken:

    Ich glaube nicht, dass das, was McLaren sagt, einfach unkritisch übernommen wird. Siehe z.B. die Diskussionen bei DoSi (Emergent Forum – Rückschau (2) – Samstag Nachmittag und Abend) und Ron Kubsch (Wie viel Umgestaltung verträgt der christliche Glaube?)

    Ansonsten geht es absolut nicht darum, das zu machen, „was gerade hip in unserer kultur ist“. Und wenn dann kannst du das jedem Gottesdienst vorwerfen, der E-Gitarren und Schlagzeug statt biblischen Instrumenten wie Newel und Kinnor nutzt. Was Jesus aber gemacht hat ist, sich voll in die Gesellschaft, in die Kultur reinzugeben…
    Und die Gefahr „weg vom evangelium, hin zu einem erlebnis-glauben, der doch recht subjektiv ist“ sehe ich auch nicht so. Es ist eher die Frage, wie sehr ist unser Verständnis vom Evangelium von der Moderne geprägt und eingeengt? Und: Was ist überhaupt das Evangelium? Wie sieht die „Reinform“ davon aus.
    Zu der Kultur-Diskussion empfehle ich dir mal bei Peter nachzulesen: Emergent-Nachlese (7): Sub- oder Gegenkultur?

    Auch ich bin dafür das zu leben, was in der Bibel „klar“ offenbart ist. Kleine Frage: Was ist das?
    Eine der klarsten Aufforderungen ist sich gegenseitig mit einem Kuss zu grüßen (Röm 16,16; 1Kor 16,20; 2Kor 13,12, 1Thess 5,26, 1Petr 5,14), oder?

  5. „ja“, „eigentlich schon“, „auch“ .. aber klare offenbarungen der Bibel sind zum beispiel die klare sündhaftigkeit des menschen und dessen bedarf eines erlösers – dies geht sowohl aus dem alten als auch aus dem neuen testament raus (besonders aus dem römerbrief). was ist also das klare evangelium? die botschaft darüber, dass Gott sich mit den menschen versöhnen will (und das geht eben nur durch Jesus Christus).. man kann dabei sehr viel diskutieren (und leider mache ich das auch sehr oft), aber im endeffekt bringt keine diskussion der welt jemandem zum glauben.. zum glauben kommt man durch erkenntnis dessen, wer man selbst ist, und erkenntnis dessen, wer Gott ist (wie heilig, wie gross, wie GERECHT, wie unantastbar für sünder, und doch wie liebevoll, wie NAH, wie fantastisch) – eine mangelnde erkenntnis Gottes ist es zu verdanken, dass wir (besonders in unserem land) eine recht „vermenschlichte“ theologie vertreten, in denen Jesus öfter als guter freund und gesprächspartner präsentiert wird, anstelle als ein heiliger könig, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben wurde. nicht, dass die anderen attribute weniger wert wären, aber den meisten christen fehlt die ehrfurcht und demut vor Gott, die wiederum durch ein mangelndes verständnis von dem, wer Gott ist, herrührt. wodurch sie auch keine notwendigkeit für evangelisation sehen – oder für konkrete entscheidungen. oder für die dringlichkeit des evangeliums.

    ich finde es einfach nur etwas beunruhigend etwas umzustellen, was Gott so sehr gesegnet hat. wenn wir aufhören das evangelium (siehe oben) zu verkündigen und stattdessen eine diskussionsrunde machen, bei der nicht immer klar hervorgeht, was WAHRHEIT ist (Jesus sagt selbst, dass ER die wahrheit in person ist), dann geben wir vielen menschen nicht mal die chance zu erkennen, wer und wie dieser krasse, mächtige, und unglaublich gnädige Gott ist!

    Gottes Gnade ist nicht, dass er jeden rein lässt, sondern dass er uns einen Weg frei gemacht hat um vergebung unserer schuld zu erfahren und mit einem HEILIGEN Gott auf ewig zu leben. das ausmaß dieser gnade und dieser liebe ist kaum jemandem bekannt (wenn überhaupt für IRGENDwen fassbar). ich befürchte nur, dass gewisse diskussionen eine art „billige gnade“ vermitteln.. oder eine art allversöhnung. beides findet sich nicht in der bibel wieder :/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.