Katholiken auf dem Land

— Gastartikel von mychie —

Im Urlaub besuche ich relativ oft den katholischen Gottesdienst im sehr ländlichen Allgäu, ganz einfach, weil es dort kaum einen anderen gibt. Jetzt ist mir erst wieder aufgefallen, das ich davon auffallend viele in sehr positiver Erinnerung hab. Als geborener Katholik kannte ich nur die Gottesdienste bei uns in der Stadt, und da herrscht ein eklatanter Unterschied. Während ich auf der Stadt das Gefühl hab, es geht immer nur um „Gutmenschen“ und die nächste Misereorsammlung, geht es auf dem Land um richtig „charismatische“ Themen: dass wir alle den heiligen Geist brauchen, dass Jesus der Mittelpunkt unseres Lebens sein muss, dass wir nicht tiefer fallen können als in Gottes Hand.
Das alles sind Themen, die meiner Erfahrung nach Katholiken oft gar nicht zugetraut werden. Natürlich gibt es wie gesagt anscheinend einen Unterschied zwischen der katholischen Kirche in der Stadt und in ländlichen Gebieten, aber alles in allem sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Nachfolgern Jesu wohl doch nicht so groß wie manche vielleicht denken.

ASBO für den Augenblick 003

Nach einem Jahr Pause der dritte ASBO für den Augenblick:

practice.jpg

Übersetzung:

„Die Predigt dieser Woche hat das Thema…“

„Warte einen Augenblick… I habe bisher noch nicht die Predigt von letzter Woche in die Praxis umgesetzt!“


Nachtrag:

Einen kurzen (aber guten) Gedanken dazu findet man bei Stefan.

Kreuzweg: Gott im Berg

kreuzweg: gott im berg

Eins der Highlights des Jahres bei ELIA und ich behaupte auch mal in Erlangen ist der Kreuzweg im Henninger Keller an Karfreitag. Der Henninger Keller ist ein Bierkeller auf dem Bergkirchweihgelände, der 861m lang durch den Berg führt, es ist aber nicht nur ein Gang, vielmehr gibt es viele Abzweigungen und auch größere Räume. Allein der Ort (an dem es konstant 8°C kalt ist) ist schon faszinierend, aber mit den 14 Stationen, die man mit allen Sinnen erleben konnte, wurde es zu einem unvergesslichen Erlebnis, das einige hundert Erlanger nicht verpassen wollten.

kreuzweg: gott im berg

Der Karfreitag ist ja ein besonderer Feiertag, es darf nicht getanzt werden, teilweise wird keine Musik gespielt und beim Gastwirt in der Nähe des Kellers gab es kein Fleisch. Aber ich denke auch, dass der Karfreitag ein Feiertag ist, mit dem viele nichts anfangen können. Es gibt keine Geschenke, man sucht keine Eier, macht keine Vatertags-Wanderwanderung und ein Gottesdienst oder ein Passionskonzert ist für viele sicherlich auch keine Option. Daher ist meines Erachtens ein solcher Kreuzweg, der ein echtes Erlebnis ist, eine gute Möglichkeit für viele, dem Karfreitag etwas Bedeutung zu geben.

kreuzweg: gott im berg

Auch wenn man den Kreuzweg eigentlich mit allen Sinnen live erleben sollte, können Fotos einen ersten Eindruck vermitteln:

Up, In, Out

In zwei Stunden ist der Neustart der Jugendarbeit bei ELIA.

Wir starten wirklich neu und deshalb konnten wir auch darüber nachdenken, was wir mit der Jugendarbeit wollen. Dabei half vor allem das Buch Aktivgruppen von Reinhold Krebs und Burkhard vom Schemm, auf das ich durch Zufall* (genau an dem Tag als ich hörte, dass ein Neustart notwendig sein wird) durch einen Artikel in ZeitGeist stieß.

Die Grundaussage ist: Gemeinde (und damit auch Jugendarbeit) sollte immer drei Dimensionen haben: UP, IN und OUT:

  • UP – Beziehung zu Gott – Glauben
  • IN – Beziehungen untereinander – Gemeinschaft
  • OUT – Beziehungen nach außen – Außenwirkung

Eine Möglichkeit, diese drei Dimensionen zu leben sind Aktivgruppen. In Aktivgruppen werden gemeinsam Ideen entwickelt und Projekte umgesetzt – ob Jugendgottesdienst, MultiMedia-Angebote oder Kindergeburtstags-Partyservice, wichtig ist, dass die Projekte eine positive Wirkung über die Gruppe hinaus haben (OUT). Bei den gemeinsamen Aktionen erleben Jugendliche Gemeinschaft (IN) und entfalten Gaben und entdecken ihren Glauben, der direkt aktiv gelebt wird (UP).

Heute beim ersten Treffen werden wir gemeinsam Ideen für ein Projekt sammeln und dann beim nächsten Treffen entscheiden, was wir tun wollen. Es geht also nicht darum, dass ein paar Erwachsene ein Programm vorgeben, sondern dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen. Ich bin sehr gespannt, in welche Richtung das gehen wird und freue mich darauf!

Mehr Informationen über Aktivgruppen gibt’s beim _puls-Projekt.

* Zufall heißt für mich: Etwas fiel mir/uns zu. Und woher? Von Gott natürlich.

Zitat für den Augenblick 038

Auch ich lese zur Zeit den Artikel über Paulus und die Philosophen in der Zeit. Habe zwar gerade ein Probeabo, kam aber letzte Woche nicht dazu, den Artikel zu Ende zu lesen. Eben las ich weiter und stieß auf folgenden Absatz (der auch zur Diskussion über Werte bei meinem letzten kurzen Artikel passt):

Alain Badiou lehnt alle drei Modelle [einer Begründung des Politischen; D.H.] ab. Für ihn besteht die Radikalität von Paulus gerade darin, dass die neue christliche Gemeinschaft weder auf gemeinsamen Werten noch auf gemeinsamen Regeln noch auf dem Respekt vor Verschiedenheit beruht, sondern allein auf dem Bekenntnis zum Christusereignis.

Kirche, missional, Cluster

Workshop beim Emergent Forum 2008 mit Kerstin Kühnel aus der City Church Würzburg (CC) mit dem spannend klingenden Thema „Prozesse von einer Kirche zu einer missionalen Gemeinschaft mit Clustern“.

Ein paar Stichworte, die nicht zwischen Kommentaren, Bericht und Zitaten trennen (mehr für mich zum daran erinnern, aber vielleicht bringen sie euch ja auch etwas):

City Church: Vision, Struktur, Prozesse

  • „Kirche sein in Mitten des Lebens“
  • Kreativität, Innovation, authentisch leben
  • Jesus im Zentrum – Lebensgemeinschaft – Menschen erreichen
  • Mitte: Elemente (Mitglieder) – 140 Leute
    weiter außen: MiniChurch-Teilnehmer – 280
    ganz außen: Gottesdienstbesucher – 450
  • Gottesdienste, Mini-Churches (Hauskreise), X-teens etc.

Cluster:

  • Hauskreise (so anfangs bei CC) tun sich zusammen, die geographisch oder thematisch zusammen passen
  • Nicht nur die kleine Gruppe (Hauskreise) und die ganz große (Gottesdienste), sondern auch mittlere Gruppen (Cluster)
  • Das große ist groß, um die anderen zu kennen. Das kleine ist zu klein, um eine Außenwirkung zu haben.
  • Gerade ist hier ne ziemliche Spannung im Raum, alle Fragen sich: „Was machen Cluster nun eigentlich?“ – Kerstin will diese Spannung aufrecht erhalten. Denn das ist genau die Spannung, die es bei der CC am Anfang auch gab.
  • Hauskreis schließen sich zusammen – Hauskreisleiter gingen aufeinander zu.
  • Erfolg: Wenn Menschen selbstständig beginnen Jesus nachzufolgen und dies sichtbar wird
  • Viele Fragen, wenig Antworten gibt es hier. Denn es geht um gemeinsame Prozesse.
  • In Gemeinde/Cluster wichtig: drei Dimensionen: In (Gemeinschaft) – Out (Außenwirkung) – Up (Gottesbeziehung)

Prozesse in der CC:

  • Gemeindeleitung lässt sich zweimal pro Jahr von außen (anderen Projekten) inspirieren bzw. zieht sich zurück
  • Vision/Bild entwickelt
  • Vier Kerne: 1. Vernetzende Kirche sein • 2. inkarnierende Kirche (Ideen: WGs, Kommunitäten, Cafe, sozialmissionarische Projekte…) • 3. organische Kirche (weniger von oben bestimmen…) • 4. stärkende Kirche sein (Gebet hält zusammen, deshalb mind. einmal im Jahr 24/7-Prayer (eine Woche nur CC, eine Woche offen), Teenarbeit, Basic-Kurs (in Kneipen), …)
  • Erster Cluster startete: 3 Hauskreise schließen sich zusammen. Schnell Frage: Was ist der Unterschied zu sonst?
  • Young-Leaders-Kurs: Junge Leute werden zu Leitern ausgebildet – einmal im Jahr für ein halbes Jahr (haben die Aufgabe eigene Projekte zu entwickeln)
  • Gemeindefreizeit im Januar – neue Gedanken reinbringen
  • Es gibt Angst vor Veränderung (auch schon nach drei Jahren)
  • Foren zu bestimmten Themen/Veränderung mit Möglichkeit zum Gespräch
  • Cluster funktionieren in der CC nicht mehr über Hauskreise
  • Veränderung braucht einige Jahre Zeit
  • Frage kommt immer wieder: „Will ich das überhaupt leben?“
  • Cluster bei CC: einer Gottesdienst – anderer engagiert sich bei einem sozialen Projekt im Stadtteil – noch andere laden junge Familien in der Nachbarschaft ein (hat zwei Jahre gebraucht, bis so ein „missionaler Cluster“ entstand)
  • Wie schaffe ich ein Bewusstsein in der Gemeinde? Zu Foren/Konferenzen einladen, Bücher empfehlen, immer wieder thematisieren…
  • Spannung: Wie schaffe ich es neben dem ganzen Gemeindezeugs mich in Cluster zu engagieren? -> Antwort: Oft geht es nicht. Dann das Gemeindezeugs sein lassen!
  • Kommentar aus dem Live-Blog: [Comment From k.] @hufi: Genau, das ist es: selbständige Nachfolge. Organisation und Strukturen (z. B. Cluster) können einen Raum dafür schaffen, aber ob es tatsächlich passiert, steht auf einem ganz anderen Blatt
  • Seit einem Jahr arbeiten auch Nicht-Christen in den Gemeinde-Teams mit -> Entlastung für die Mitarbeiter
  • Angst vor Paradigmenwechsel -> braucht Zeit und Sicherheit von der Leitung -> daher wird z.B. der Gottesdienst nicht „gesprengt“
  • Floyd McClung: 5-10% Initiatoren, 60% laufen mit, 10-15% verlassen die Gemeinde (hmm, irgendwie fehlen mir 20%, was war mit denen?) – (Kerstin erklärt in den Kommentaren, wie es richtig ist: 5-10% Initiatoren, 60-70% nicht positioniert, 10-20% verlassen die Gemeinde/ Widerständler)

Gut, mir hat es etwas gebracht.


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