Unser täglich Wasser

Noch nie haben mich so viele Personen und Organisationen dazu aufgefordert, an einer Petition teilzunehmen. Welches Thema bewegt so viele Menschen? Geht es um Steuern? Um Autos? Nein, bei der Petition geht es um Wasser. Um Wasser als Menschenrecht, bzw. gegen die Privatisierung von Wasser.

Hast du schon mitgemacht? Wenn nicht, kannst du das direkt hier tun: www.right2water.eu/de

Wenn du genauer wissen willst, um was es geht, kannst du dir noch folgendes Video ansehen:

Mehr Videos hier bei Spreeblick.

Wein für die Verzweifelten

Die Bibel, Sprüche 31,4-9:

»Für Könige ist es nicht angemessen, Wein zu saufen. Herrscher sollen nicht nach starken Getränken verlangen. Denn wenn sie trinken, könnten sie darüber ihre Pflichten vergessen und den Armen nicht mehr Recht verschaffen.
Starke Getränke sind für die Sterbenden und Wein für die Verzweifelten. Sie sollen ihn trinken, damit sie ihr Elend vergessen und nicht mehr an ihren Kummer denken.
Hilf dem, der sich selbst nicht helfen kann; schaffe denen Recht, die für sich alleine dastehen. Ja, hilf den Armen und Elenden und sorge dafür, dass sie zu ihrem Recht kommen.«

Harald Sommerfeld im Studienprogramm „Gesellschaftstransformation“:

»Werfe es jemanden nicht vor, wenn er im Unterschichten-Fernsehen und im Bier versinkt, wenn er keine andere Perspektive hat«

Kony 2012

Gestern erschien es in meinen Facebook-Neuigkeiten zum ersten Mal: Das Video KONY 2012. Ich habe mir das sehr gut gemachte halbstündige Video über den zentralafrikanischen Rebellenführer Joseph Kony und die Arbeit der Organisation Invisible Children angeschaut und es hat mich bewegt. Und ich wollte etwas tun.

Aber gleichzeitig war da auch ein komisches Gefühl: „So ein riesiger Aufwand allein mit dem Ziel, dass die USA weiterhin Spezialisten/Soldaten nach Afrika schicken, die dafür sorgen sollen, dass Kony gefangen genommen (oder getötet) wird? Und damit soll das Problem gelöst sein und es gibt dann keine Kindersoldaten mehr?”

Ein bisschen Recherche bestätigte mein Gefühl: Es ist nicht so einfach, wie es im Video dargestellt wird.

Heute kamen dann auch ein paar Artikel, die als Ausgangspunkt für eine eigene Recherche dienen können: Spreeblick, ZEIT und life.remixed. Und eine Antwort von Invisible Children auf geäußerte Kritik.

Also: Schaut euch das Video an, informiert euch über Invisible Children und natürlich auch über Joseph Kony, die LRA und die komplexe Situation in Zentralafrika. Und werdet aktiv. Aber überlegt vorher wie und wofür.

Offen aus Tradition oder Sheriff Gnadenlos?

Erlangen. Offen aus Tradition.
So das Motto der Stadt, in der ich lebe.

Erlangen wird fairer.
So unser Motto mit fairlangen.org.

Sheriff Gnadenlos.
So wurde ein Mitarbeiter des Erlanger Ausländeramtes bezeichnet.

Nach einer Pressekonferenz Ende November wird in Erlangen und teilweise auch bayern- und deutschlandweit heftig über den Umgang des Erlanger Ausländeramtes mit Ausländern diskutiert. Der Vorwurf lautet, dass dort der Ermessensspielraum der Beamten häufig deutlich zu Ungunsten der Menschen ausgenutzt wird.

Einen Überblick über die zahlreichen Presseberichte zu dem Thema (von Erlanger Nachrichten über SZ bis zur taz) findet ihr findet ihr beim Flüchtlingsrat Bayern.

Und einen ersten Überblick, um was es überhaupt geht, bietet dieser Beitrag, der letzte Woche im TV-Magazin quer gezeigt wurde:

Inzwischen wurde bekannt, dass dieser Mitarbeiter (»Sheriff Gnadenlos«) das Amt wechseln wird.  Ich denke aber nicht, dass damit das Problem gelöst ist. Denn was bei dem quer-Bericht leider nicht so deutlich wird, ist, dass es bei den Vorwürfen nicht nur um diesen einen Beamten geht, sondern um eine Tendenz, die sich anscheinend durch große Teil der Arbeit des Ausländeramtes durchzieht. Außerdem ist es kein Phänomen, das erst in den letzten zwei, drei Jahren auftauchte. Sowohl Mitglieder des Erlanger Ausländer- und Integrationsbeirates als auch in der direkten Flüchtlingshilfe Aktive sagen, dass das Problem schon seit Jahren bekannt ist und es auch immer wieder Gesprächsversuche mit der Stadtverwaltung und Politik gegeben hat.

Ein in Erlangen lebender Ausländer hat mir außerdem erzählt, dass aus seiner Erfahrung viele Ausländer – egal welcher sozialer Schicht– es so weit wie möglich meiden, sich in Erlangen anzumelden und hier eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Studenten, die in Erlangen studieren wollen, suchen daher häufig eher eine Wohnung in Nürnberg, um mit dem Erlanger Ausländeramt nichts zu tun haben zu müssen. Andere behalten die deutsche Stadt, in der sie vorher gelebt haben, als Hauptwohnsitz und melden sich nur mit dem Zweitwohnsitz in Erlangen an. Für mich sprechen das und weitere Berichte von Bekannten, die persönliche Erfahrungen mit dem Ausländeramt hatten, eine deutliche Sprache.

Nun hat sich die katholische Pfarrgemeinde Herz Jesu in einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Da mir der Brief nicht vorliegt, zitiere ich aus dem Bericht der Erlanger Nachrichten:

Die Verfasser sprechen sich in dem Schreiben dafür aus, dass die Flüchtlinge die Gewissheit haben sollen, „dass die Behörden, die unsere Gesellschaft vertreten, bereit sind, ehrlich, effizient und ernsthaft ihre bestehenden gesetzlichen Handlungsmöglichkeiten zum Wohl der Hilfesuchenden anzuwenden.“

Konkret setzt sich die katholische Pfarrgemeinde Herz Jesu für „verbindliche Leitlinien“ für den Umgang der Ausländerbehörde mit Flüchtlingen ein: „Die Gnade Jesu war immer besonders auf die Armen und Schutzlosen gerichtet. Als Christen sehen wir unsere Aufgabe darin, den Schwachen, die nicht gehört werden, eine Stimme zu geben.“

Den Brief hätte ich gerne auch unterschrieben.

Denn ich sehe in der Bibel, in der Flucht und Migration von den ersten Kapiteln an ein Thema sind, eine klare Linie zum Umgang mit Ausländern. Levitikus 19,33-34 habe ich ja hier schon einmal zitiert:

»Wenn sich ein Ausländer bei euch niederlässt, sollt ihr ihn nicht ausbeuten. Den Ausländer, der bei euch wohnt, sollt ihr wie einen von euch behandeln und ihr sollt ihn lieben wie euch selbst. Denn ihr selbst wart einst Fremde in Ägypten. Ich bin der Herr, euer Gott.«

Auf Jesus, der selbst auch Flüchtling war, ging der offene Brief ja schon ein. Ich möchte hier nur noch Jesu Aussage in Matthäus 25,35 erwähnen:

»Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.«

Ich wünsche mir, dass Menschen, die sich auf den weiten Weg ins schöne Erlangen gemacht haben, sagen können:

»Ich bin nach Erlangen gekommen und wurde herzlich aufgenommen.«

Und ich frage mich, wie ich als Erlanger Ausländer herzlich aufnehmen kann.

Proteste

Vier kurze Gedankenblitze zu den weltweiten Protesten:

1. Manchmal kommt die Frage auf, wie Jesus vor der Zeit von Megafonen und PA-Anlagen geschafft hat, zu so vielen Menschen gleichzeitig zu sprechen. Ja, manchmal ist er mit einem Boot aufs Wasser raus gefahren und hat die gute Akustik des Wassers genutzt. Aber bei der Bergpredigt?

Vielleicht hat er es ja so gemacht, wie die Occupy Wall Street-Demonstranten, die die Verwendung von Megafonen und PA-Anlagen verboten wurde:


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2. Auch Jesus wurde auf der Wall Street gesehen:

(Foto: Jesus Needs new PR)

Und noch ein Bild zum gleichen Thema:

(Bild: JP Trostle auf Facebook)

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3. Nein, die Proteste am 15. Oktober gingen weder von New York aus, noch waren sie allein gegen Banken gerichtet – auch wenn die meisten Medien dies so darstellen. Der Aufruf, weltweit am 15. Oktober zu demonstrieren, ging bereits im Juni von den Protesten in Spanien aus, die wiederum vom Arabischen Frühling inspiriert waren. Mehr dazu hier.

Um zu erfahren, um was es geht, lohnt die Lektüre des spanischen Manifests, dessen deutsche Übersetzung u.a. auf der Seite von „Echte Demokratie jetzt! Erlangen“ zu finden ist.
Lesenswert ist auch der Artikel bei „the ambassador“.

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4. Fällt mir gerade nicht mehr ein. Daher weise ich einfach auf den aktuellen Artikel von Peter Aschoff hin: Albern – warum eigentlich nicht?

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5. Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich wollte euch noch den aktuellen Fluter zum Thema Proteste empfehlen (kann man übrigens kostenlos abonnieren).

 


Nachtrag (18:27 Uhr):
So wird das in Berlin umgesetzt 😉