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von Daniel Hufeisen
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Dietrich Bonhoeffer – Abendgebet
Im Evangelischen Gesangbuch fanden wir dieses Abendgebet, das Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis schrieb. Wenn man es langsam spricht und immer wieder Pausen lässt, kann man dabei auf den vergangenen Tag zurückschauen und das Geschehende noch einmal vor Gott “in Gedanken aussprechen”.
Herr, mein Gott,
ich danke dir, dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
Ich danke dir, dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen lässt.Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.
Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages
und hilf, dass ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen
und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.Ich befehle dir die Meinen, ich befehle dir dieses Haus,
ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.Gott, dein heiliger Name sei gelobt.
Amen.
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von Daniel Hufeisen
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Dietrich Bonhoeffer: Wer bin ich?
Heute Vormittag habe ich am Ende meiner Predigt zum Thema “Welche Rolle spielt die Rolle?” das Gedicht “Wer bin ich?” von Dietrich Bonhoeffer (zu finden in “Widerstand und Ergebung“) vorgelesen.
Heute Nachmittag habe ich mir dann den Film “Bonhoeffer, Die letzte Stufe” angeschaut, da wird das Gedicht auch zitiert.
Damit ihr auch diese weisen Worte genießen könnt, hier der Text:
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
(Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S. 179, online u.a. hier)





