Großes Herz 03: Die Oma der Flüchtlinge in Idomeni

In der Fastenzeit kam ich leider nicht mehr dazu weitere Beiträge zu der Reihe »Fastenzeit 2016: Großes Herz!« zu schreiben. Eben dachte ich mir: Warum kann ich nicht auch nach Ostern etwas zu diesem schönen Motto posten?

Hier also ein Video, das ich schon bei Facebook geteilt hatte. Dort schrieb ich:

Manche Videos müssen nur 43 Sekunden lang sein, um bewegend und inspirierend zu sein:

Auch den kurzen Dialog mit einer jungen Syrerin, der daraufhin entstand, möchte ich euch nicht vorenthalten:

Bildschirmfoto 2016-04-14 um 22.04.26

Und als Bonus noch die viermal so lange Version des Videos:

Alle Beiträge aus der Reihe »Fastenzeit 2016: Großes Herz!«:

Großes Herz 01: Über Katzen und enge Herzen

Die Enge erlebt ein Comeback in Deutschland. Nach 26 Jahren der Öffnung, diskutieren wir plötzlich über die besten Möglichkeiten, uns abzuschotten und einzumauern. In vielen öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Äußerungen wird eine solche Enge des Herzens deutlich (in alle Richtungen), dass es nur gut tun kann, 7 Wochen lang bewusst das Herz zu weiten.

Daher starte ich meine Blog-Reihe zu »7 Wochen ohne Enge« mit einem Video des wunderbaren Firas Alshater, der als Flüchtling aus Syrien nach Berlin kam und gerade seine steile YouTube-Karriere startet. Er zeigt sehr schön, wie man sich anstrengen muss, zu hassen und wie einfach es gleichzeitig ist:


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Fastenzeit 2016: Großes Herz!

2016-Fastenzeit

Es ist mal wieder Fastenzeit. Es gab Zeiten, da habe ich jedes Jahr dazu etwas geschrieben. Die sind schon lange vorbei …

Dieses Jahr hat mich die Fastenaktion der Evangelischen Kirche dazu inspiriert, mal wieder zu bloggen. Das Motto ist 2016: »Großes Herz! 7 Wochen ohne Enge«.

Dazu treffen wir uns jeden Montag bei FreiRaum zu »FastenZeit – Impulse und Erfahrungsaustausch zur Fastenzeit«.

Und ich werde hier immer wieder Bilder, Texte und Videos veröffentlichen, die für mich ein Leben ohne Enge, bzw. Großherzigkeit ausdrücken. Morgen geht’s los!


Alle Beiträge aus der Reihe »Fastenzeit 2016: Großes Herz!«:

Taizé: Versammlung für eine neue Solidarität

Vor einigen Jahren saß ich mit einem mir Unbekannten in einem Auto und unterhielt mich – unter anderem auch über mein Theologiestudium. Es stellt sich heraus, dass er nicht besonders viel vom christlichen Glauben und Religion allgemein hielt. Für mich erstaunlicherweise sagte er aber: »Positiv erlebt habe ich das Christentum bisher nur in Taizé. Dort wird wird Glaube und Nächstenliebe so gelebt wie es eigentlich sein sollte.«

Taizé2015

Das war eine meiner eindrücklichsten Erfahrungen zu Taizé, aber längst nicht die einzige (u.a. für meine Frau ist Taizé ein sehr bedeutender Ort). Da ich Taizé aber vor allem mit den von dort kommenden Lieder verband und Singen nicht so mein Ding ist, zog es mich selbst nie so sehr in das kleine Dorf im Burgund.

Nun war ich doch mal selber dort (und weiß nun, dass es eigentlich nicht um irgendwelche Lieder geht):

Taizé 2015

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Mit einer kleinen Gruppe von FreiRaum und weiteren Freunden nahmen wir an der »Versammlung für eine neue Solidarität« teil: 75 Jahre nach der Gründung der Kommunität, im Jahr des 100. Geburtstags des Gründers Frère Roger und genau 10 Jahre nach seiner Ermordung während eines Abendgebets in der Versöhnungskirche von Taizé.

Eine Woche mit knapp 4000 jungen Erwachsenen aus über 100 Nationen und zum Dankgottesdienst am Sonntag auch Vertretern (auf der Ebene von Kardinälen, Bischöfen und Generalsekretären) vielfältiger christlicher Konfessionen (von Syrisch-Orthodoxen bis zur Full Gospel Church) und aller Weltreligionen. Auf den Programm standen neben den drei täglichen Gebetszeiten, kulturell bunt gemischte Kleingruppen und spannend besetzte Foren (von engagierten Jugendlichen aus Argentinien bis zum 86-jährigen Gründer von l’Arche Jean Vanier). Und nachmittags eine so vielfältige Auswahl an Workshops, dass es wirklich schwerfiel, sich zu entscheiden. Immer ging es um Solidarität, die konkreten Themen bewegten sich dabei zwischen Kunst, Wirtschaft, Gesundheit, Politik, Theologie und weiteren Feldern. Referiert haben Philosophen, Stadtplaner, UN-Mitarbeiter, Priester, zahlreiche Europaabgeordnete, Schauspieler, Diplomaten, Bischöfe, Mönche, Studierende, Aktivisten, Gründer und Leiter von großen Bewegungen und Organisationen, Clowns, Jugendliche etc. etc.

Was für eine Vielfalt, was für ein Reichtum.
Und das alles ohne großes Getue, sondern in angenehmer Einfachheit.

Die Themen der Tage waren drei Stichworte, die für Frère Roger sehr wichtig waren:
Joy. Simplicity. Mercy.
Oder weniger hübsch klingend:
Freude. Einfachheit. Barmherzigkeit.

Soweit etwas zum Rahmen.

Eigentlich wollte ich noch schreiben, was mich daran bewegt hat. Aber mir fehlen wohl noch die Worte. Vielleicht kommen sie ja die nächsten Tage.


Daher erst einmal ein paar optische Eindrücke, die ich bei Instagram geteilt habe:

Prayer of thanksgiving for Frère Roger's life. #Taizé #ZehnterTodestag

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Spannende Themen und Menschen bei der "Versammlung für eine neue Solidarität" in #Taizé #workshop #ikonen

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»We don't need the Bible to say such boring things we could say ourself.« Frère Emil #Taizé

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community organising workshop with @theologycentre (The Centre for Theology & Community) #Taizé

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»You are precious and beautiful« — Selfie with Jean Vanier (founder of l'arche). #Taizé

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Workshop: »Christian Meditation« with Laurence Freeman osb, director of wccm.org #Taizé

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Heute Bonhoeffer, morgen NPD

Heute Bonhoeffer:

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Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316 / CC-BY-SA

Heute vor siebzig Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer hingerichtet.
Um 17:30 Uhr werde ich zur Enthüllung einer Gedenktafel an einem ehemaligen Wohnhaus Bonhoeffers in unserer Nachbarschaft gehen. Die Idee dazu entstand im Ökumenischen Arbeitskreis Prenzlauer Berg, zu dem ich auch gehöre. Katharina Jany vom Arbeitskreis schreibt dazu:

Die drei Monate, die Bonhoeffer hier gelebt hat, werfen ein besonderes Licht auf die Persönlichkeit dieses großen Kirchenmannes. Dass Bonhoeffer als Universitätsprofessor, die Arbeit mit den Konfirmanden aus dem einfachen Arbeitermilieu, für so wichtig hielt, dass er sich hier ein Zimmer mietete, zeugt von einem starken christlich motivierten Verantwortungsgefühl für die ihm anvertrauten Jugendlichen.

Bonhoeffer selbst schreibt über den Prenzlauer Berg und Mitte:

Das ist so ungefähr die tollste Gegend von Berlin mit den schwierigsten sozialen und politischen Verhältnissen

Anschließend wird Altbischof Wolfgang Huber einen Vortrag zum Thema »Du sollst nicht töten – Bonhoeffers Friedensethik heute« in der Zionskirche halten. Über das gleiche Thema schreibt heute auch sein Nachfolger Heinrich Bedford-Strom auf Zeit Online: Wer fromm ist, muss politisch sein

Morgen NPD:

Heute – 70 Jahre nach Bonhoeffers Tod  und auch nach Kriegsende – brennen in Deutschland (mal wieder) Flüchtlingsheime.

Und für morgen 19:00 Uhr ruft die NPD zu einer Kundgebung vor den Schönhauser Allee Arcaden unter dem Motto »Gentrifizierung stoppen – Mietwucher und Verdrängung stoppen!« auf und fordert offen einen »nationalen Sozialismus« als Alternative.

Da kann ich nur auf die Aufrufe der Antifa und der lokalen SPD zu Protesten gegen die öffentliche Werbung für den Nationalsozialismus hinweisen.
Und hoffen, dass die Erinnerung an Bonhoeffer nicht nur dem Reden und Gedenken dient, sondern Vielen auch Impulse zum Handeln gibt.

 

 

Proteste in Istanbul

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Die letzten Woche habe ich mit 32 weiteren Personen von ELIA in der Türkei verbracht. Von vielen faszinierenden Erlebnissen und Begegnungen könnte ich schreiben, angesichts der aktuellen Ereignisse möchte ich zunächst davon berichten, wie wir die Proteste in Istanbul erlebt haben:

Freitag 31. Mai – gegen 23:00 Uhr

Wie schon fast erwartet fährt keine Fähre mehr von Üsgüdar auf der asiatischen Seite nach Eminönü, daher nehmen wir eine Fähre rüber nach Be?ikta? (was übrigens Erlangens Partnerstadt ist). Nach ein paar Minuten nehmen wir auf dem Deck einen unangenehmen Geruch wahr, Mund und Nase fangen an zu brennen und die Augen beginnen zu tränen – auch eine halbe Stunde später ist es noch nicht besser. Wir denken zunächst, dass das eventuell ein giftiges Gas von einem großen Tanker sein könnte. Dass es Tränengas war, verstehen wir erst später. – Übrigens »Tränengas« klingt deutlich harmloser als es sich anfühlt.
Als wir in Be?ikta? einen Straßenverkäufer nach unseren Bus fragen, kommt ein junger Mann dazu, der seine Hilfe anbietet und erstmal mit dem Verkäufer überlegt und diskutiert. Er fragt uns, ob wir von den »Riots« am Taksim-Platz mitbekommen hätten, 25.000 Menschen würden dort demonstrieren, daher käme der Bus über den Taksim-Platz nicht in Frage. Während er uns zum richtigen Bus führt, fragen wir, worum es in den Protesten gehe: »Our fucking government wants to destroy a park to built a shopping mall«.
Unterwegs sehen wir immer wieder vor allem junge Menschen die mit türkischen Flaggen bewaffnet Richtung Taksim unterwegs sind oder gerade von dort kommen. Und immer wieder spontaner Jubel der Passanten und Autofahrer, die mit ihrer Hupe Unterstützung ausdrücken (in der Türkei kann Hupen sehr unterschiedliche Bedeutungen von »hallo« über »danke« bis hin zu »Platz da« und »Spinnst du?« haben)

Samstag 1. Juni – ab 18:00 Uhr

Wir sitzen am Fähranleger Karaköy neben der Galatabrücke (natürlich einen Çay trinkend) und staunen über die Istanbuler Straßenverkäufer: Sobald es regnet, werden plötzlich an jeder Ecke Regenschirme verkauft. Und heute Atemschutzmasken:

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Die potenziellen Kunden lassen nicht lange auf sich warten: Die von Asien kommende Fähre legt an, sehr fröhliche Demonstranten steigen aus.

Später in Beyoglu auf den Straßen die Richtung Taksim-Platz führen, sieht man deutlich, dass hier Straßenschlachten stattgefunden haben:

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Ziemlich alle Schaufenster sind mit Graffitis besprüht, zwei sind auch eingeschlagen.

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Und überall hauptsächlich junge Menschen mit und ohne Flaggen, mit und ohne Masken:

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Und überall Aufbruchstimmung. Sprechchöre und Gesänge werden angestimmt, bei denen auch die Leute, die in den Straßencafés sitzen, einstimmen oder applaudieren.

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Von Polizei ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür sehen wir ein Hochzeitspaar auf dem Weg zum Hotel.

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Soweit meine sehr bruchstückhaften Eindrücke aus Istanbul, die ich jetzt erst nachträglich, nachdem ich viele Artikel dazu gelesen habe, richtig einsortieren kann.

Wer sich weiter informieren möchte, wird hier fündig: