Zur Debatte über den Q-Rage-Artikel

by Daniel Hufeisen on Dezember 23, 2008

… sagt Rolf Krüger alles Notwendige in einer guten Art und Weise.
Lest selbst (UPDATE: Leider ist der Artikel bei Rolf Krüger verschwunden).

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Nur ein kurzer Gedanke (unter 140 Zeichen) von mir am Rande:

Spätestens wenn kreuz.net, Junge Freiheit und PI mich unterstützen, würde ich mir Gedanken machen, ob ich nicht irgendwie falsch liege.

14 Kommentare

Hallo Hufi!

Naja, kreuz.net, Junge Freiheit und PI haben leider die unangenehme Eigenschaft, auf jeden Zug aufzuspringen, dessen Führerstand sie übernehmen zu können meinen – sprich: bei allen Themen wo irgendjemand dagegen aufbegehrt, Islam (in diesem Fall war es ja sogar Islamismus!) und Christentum (bzw. hier Evangelikalismus) hinsichtlich ihrer politischen Implikationen z.B. pauschalisierend gleichgestellt zu sehen.

Ich habe diese Erfahrung auch schon gemacht: kaum hatte ich mich vor ein paar Wochen mit einem offenen Brief an den FDP-Politiker Georg Barfuß gewendet (der die Scharia, wo sie mit dem Grundgesetz “kompatibel” sei, als alternative Rechtsgrundlage einführen wollte und behauptete, in der Türkei gäbe es praktisch keine Christen, weshalb man sich nicht darüber aufregen solle, wenn dort keine Kirchen gebaut werden dürfen), schon hatte ich diese Spinner am Hals. Da taucht Dein Name plötzlich in Zusammenhängen auf, die Du Dir nicht mal in Deinen Albträumen vorstellen willst, wirst bombardiert mit “Info”-eMails von irgendwelchen kranken Hirnen etc. pp. – und wenn Du dann darauf hinweist, daß diese Personen den offenen Brief nochmal aufmerksamer studieren sollen und Du mit ihrer Gesinnung nichts am Hut hast und haben möchtest, dann folgen die Haß-eMails.

Insofern finde ich, machen es sich die Leute, die jetzt in die Evangelikalen-Schelte mit einstimmen, ein bißchen einfach. Solange man selbst nicht in so einen Diskurs einsteigt, hat man es relativ komfortabel. Tut man es doch, sollte man sich das vorher wirklich zweimal überlegen – wie gesagt, ruckzuck findet man sich da in einer unschönen Situation wieder. Ist Schweigen deshalb eine Alternative?

Abgesehen davon, daß auch ich die Reaktion als etwas zu massiv geraten fand: man muß sich auch einmal vorstellen, in welcher Situation sich ein Hartmut Steeb z.B. befindet: der steht seit der Christival-Debatte unter Dauerstrom; daß man da irgendwann einmal die Nerven verliert und ein bißchen zu ehrgeizig kontert, kann ich ihm nicht einmal verdenken.

Ich denke jedenfalls, es würde jetzt beiden Seiten gut tun, wenn hier nach der (auch in meinen Augen etwas billigen) Entschuldigung von Thomas Krüger jemand von den Evangelikalen in sich ginge und etwas versöhnlichere Töne anstimmte, die zudem einfach einmal auf den Hinweis verzichten, unbedingt recht zu haben.

LG,

Tobias

by Tobias Lampert on 23. Dezember 2008 at 12:34. Antworten #

Danke für den Link!

Zu deinem Gedanken bezügl. kreuz.net usw.:
Dabei ist mir auch äußerst unwohl. Aber wie könnte man das verhindern? Der Verein Deutsche Sprache kann sich ja auch nicht über den Beifall von seiten der Deutschnationalen wehren.

siehe auch:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4339/1.html

by Thomas on 23. Dezember 2008 at 12:53. Antworten #

Ja, stimmt schon. Dagegen kann man sich manchmal nicht wehren. Ich weiß auch nicht, was der beste Umgang damit wäre.

Was mich aber nachdenklich macht ist, dass sowohl Steeb (Evangelische Allianz) als auch Matthies (idea) auf der Autorenliste der Jungen Freiheit auftauchen (siehe auch: idea-blog.de).

by Daniel Hufeisen on 23. Dezember 2008 at 13:21. Antworten #

Hmm naja,
ich kenn JF nicht so gut, dass ich mir über die ein Urteil erlauben kann, aber wenn man sich die Autorenliste anguckt, dann stehen dort auch – teilweise prominente – Politiker aus allen Parteien (außer Linkspartei).

by Thomas on 23. Dezember 2008 at 14:01. Antworten #

@hufi:

Naja, bei der Jungen Freiheit schreiben einerseits auch der stellvertretende Generaldelegierte Palästinas in Deutschland, der Publizist Roland Baader, die Leiterin des Allensbach-Instituts Elisabeth Noelle-Neumann, der Bundespressesprecher der LSU (Lesben und Schwule in der Union) etc. – alles Namen, denen man einiges unterstellen kann, aber bestimmt nicht einen ausgeprägten Konservatismus oder gar Nationalismus! Auf der anderen Seite finden sich Namen, bei denen man hinsichtlich stark rechtslastigen Gedankenguts schon eher Bauchschmerzen bekommen könnte.

Was also ganz sicherlich nicht angemessen ist: Autoren der Jungen Freiheit aufgrund ihrer dortigen Autorenschaft unter Generalverdacht zu stellen bzw. die Junge Freiheit aufgrund ihrer Autoren generell der Rechtslastigkeit zu verdächtigen. Das Problem der Jungen Freiheit ist, daß sie – ob bewußt oder unbewußt – immer wieder auch durch Publikationen auffällt, die eindeutig in die rechtsextreme Richtung abdriften. Als Autor würde ich mir überlegen, ob ich bei einer solchen Wochenzeitung mitwirken möchte – aber ich denke, das ist letzten Endes eine Gewissensentscheidung, die durchaus auch aufgrund des Bemühens stattfinden kann, konstruktive Beiträge beizusteuern und ein breit gestreutes Medium nicht ganz und gar den Rechten zu überlassen.

by Tobias Lampert on 23. Dezember 2008 at 14:20. Antworten #

Ok, da muss ich euch natürlich recht geben, dass man das nicht so pauschal sagen kann. Trotzdem bleibt da bei mir ein komisches Gefühl…
Und mich stört, dass gewisse evangelikale (Medien) deutlich nach rechts tendieren (sicher nicht im Sinne von rechtsextrem, aber mindestens anti-links).

by Daniel Hufeisen on 23. Dezember 2008 at 14:34. Antworten #

Das ist richtig – und liegt einfach daran, daß Evangelikalismus in der Regel immer schon Wertekonservatismus bedeutet hat (was per se gar nicht zu verachten ist). Wenn man die Bedingungen betrachtet, die zur Entstehung der evangelikalen Bewegung beigetragen haben, ist das auch gar nicht weiter verwunderlich.

Das Problem der Evangelikalen liegt wohl wirklich eher darin, daß sie die gesellschaftliche Lage, in der sie sich befinden, immer noch nicht ganz verinnerlicht haben: Evangelikale sind nun einmal eine Minderheit, die nicht erwarten kann, daß ihr politisches Programm, so es denn existiert, zum Leitfaden bürgerlicher Politik insgesamt gemacht werden könnte. So gesehen müssen sich Evangelikale langsam auch um die Entwicklung einer Minderheitenrhetorik bemühen, was letztlich nichts anderes als den Verzicht auf Machtrhetorik bedeutet.

by Tobias Lampert on 23. Dezember 2008 at 14:51. Antworten #

Ja, die evangelikale Bewegung kommt irgendwie aus dieser eher bürgerlichen, konservativen Ecke (entsprechend fehlen auch z.B. “die Arbeiter” in den Gemeinden).

Was bedeutet denn Wertekonservatismus? Bei welchen Werten sollte man als Christ konservativ (im Sinne unseres politischen Spektrums) sein?
Familie, Krieg, Umweltschutz, Wirtschaft, Armut, Ausländer…

by Daniel Hufeisen on 24. Dezember 2008 at 9:06. Antworten #

Das ist natürlich eine berechtigte Frage, und vielleicht sollte man besser erklären, was man unter “Werten” versteht, statt immer nur von “Wertekonservatismus” zu sprechen.

Ich verstehe darunter in der Tat einfach einmal den bewahrenden Aspekt solcher “Werte” (es ist ja auch die Frage, inwieweit der Begriff der “Werte” überhaupt angemessen ist), die sich eng verknüpft mit dem christlichen Glauben in unserer Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg entwickelt haben.

Dazu gehören die Bewahrung der Familie als maßgeblichen Lebensraum für das Zusammenleben von Menschen und Heranwachsen von Kindern und junger Menschen. Dazu gehört das Bemühen um Vermeidung von Krieg (wo Christen sich durchaus nicht immer nur rühmlich hervorgetan haben und hervortun). Dazu gehört definitiv Umweltschutz als Bewahrung der Schöpfung. Dazu gehört das Eintreten für eine Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Augen davor verschließt, wo eigener Reichtum auf der Armut anderer fußt. Dazu gehört ein Umgang mit Ausländern, der von diesen Integration nicht immer nur einfordert, sondern aktiv fördert und der damit den Ausländer primär als Menschen betrachtet, statt umgekehrt den Menschen als Ausländer (der dann irgendwie fehl am Platze ist).

Das alles meine ich tatsächlich mit “Wertekonservatismus”, den ich dem Evangelikalismus, wo er ihn lebt, hoch anrechne (zumal ich selbst ein evangelikales Gen mit mir herumtrage). Die Frage ist wirklich nur, wozu solcher Wertekonservatismus im jeweiligen Rahmen eigentlich dienen soll – der Aufrechterhaltung des status quo, in dem man sich so schön eingerichtet hat? Oder als Ausdruck einer wirklichen Vergegenwärtigung christlichen Glaubens in den Alltag hinein?

Wertekonservatismus muß so auch gar nicht Konservatismus an sich bedeuten (auch bei diesem Begriff bin ich ein bißchen skeptisch, wie aussagekräftig er eigentlich ist – in theologischen Zusammenhängen ist er ohnehin irreführend). Wenn man die Ursprünge der evangelikalen Bewegung betrachtet, ist das auch gar keine angemessene Vorstellung: die Vorläufer des Evangelikalismus, die Erweckungsbewegungen der Neuzeit, der Pietismus etc. hatten von Anfang an meistens gerade eher einen “liberalen” Impetus, insofern sie sich gerade z.B. um die Arbeiterbewegungen verdient gemacht und Diakonie vorangetrieben haben. Sich davon ein Stückchen abzuschneiden, stünde so mancher “evangelikalen” Gemeinde und Kirche heute gut an.

by Tobias Lampert on 24. Dezember 2008 at 10:46. Antworten #

Die Motivation der verschiedenen Autoren der Jungen Freiheit kann und möchte ich nicht bewerten.

Jedoch einmal umgekehrt gedacht: Bietet eine so “bunte” Mischung von Autoren verschiedener politischer Parteien und christlicher Organisationen nicht ein ideales Forum für eine seriös wirkende Verbreitung von rechtem Gedankengut?

Gerade die Tatsache, dass rechte Medien und die Verwendung neutral klingender Begriffe nicht auf den ersten Blick und offensichtlich als radikale und extreme Positionen zu erkennen sind, machen sie gefährlich. Und so wertet es eine Zeitung nicht unbedingt auf, wenn sie nur teilweise und nicht per se als rechtslastig betrachtet werden kann.

by friedenstaube [jonas] on 4. Januar 2009 at 5:10. Antworten #

@jonas:

Das ist richtig – ich glaube, würde mir einer ein Angebot machen, bei der Jungen Freiheit was zu schreiben, ich würde aus genau diesem Grund ablehnen.

Aber was ist denn damit gesagt? Daß man die “Junge Freiheit” als rechtsextrem bezeichnen kann? So ein Label träfe dann auch all die Autoren dort, deren Artikel in keinster Weise so beschrieben werden können, die vielleicht sogar gegenläufig sind.

Das Problem, daß sich Extremismen (auch Linksextremismus und Linksideologien im allgemeinen) einen seriösen Anstrich geben, um so unerkannt ihr extremes Gedankengut an den Mann bringen zu können, gibt es auch anderswo.

Man wird dieser Taktik nicht in jedem Fall damit Herr, daß man sich von einem Medium, wo man solches Vorgehen erkannt zu haben glaubt, abgrenzt. Womöglich erreicht man damit sogar ab und zu das Gegenteil: es wäre doch auch wieder ein Erfolg für Extremisten, zu sehen, daß dort, wo sich auftauchen, die anderen kapitulieren. Bestes Beispiel der jüngsten Vergangenheit: Pax Europa von Ulfkotte. Man mag von diesem Mann halten, was man will: ja, er vertritt mit Sicherheit einseitige Positionen, aber rechtsextrem oder auch “rechtes Gedankengut” in dieser Einseitigkeit hat das bislang niemand zu nennen gewagt, ganz einfach, weil das sehr schnell widerlegt gewesen wäre. Und was passiert? Einige tatsächliche Rechtsextreme haben Lunte gerochen und bei Pax Europa das Steuer an sich gerissen, woraufhin Ulfkotte schließlich austetreten ist – aus dem von ihm selbst gegründeten Verein.

Insofern habe ich Respekt vor jedem Autor der Jungen Freiheit, der erkennbar (!) nicht irgendwelche Extremismen bedient und sich offen dagegen wendet – auch das gibt es dort.

Ich selbst wäre vielleicht einfach zu eitel, um mich der Gefahr der Verdächtigung extremen Gedankenguts auszusetzen. Oder vielleicht auch zu vorsichtig – ich habe es schon einmal erlebt, wie schnell Trittbrettfahrer jede Gelegenheit (sie sie auch noch so absurd) nutzen können, um Hetze zu machen.

by Tobias Lampert on 4. Januar 2009 at 9:43. Antworten #

Hmm, weil ich mir gerade Dein Blog angesehen habe: das hebräische “jonah” bedeutet eigentlich nur “Taube” – was aber nicht heißt, daß Du jetzt Dein Blog umbenennen sollst … ;-)

by Tobias Lampert on 4. Januar 2009 at 9:50. Antworten #

@Tobias L.
Mit meinem Kommentar wollte ich nicht die Autoren der “Jungen Freiheit” per se in eine Ecke stellen und sie als Extremisten bezeichnen. Ich wollte lediglich einen Gedanken aufzeigen, der bisher nur bedingt in der Diskussion vorkam.

Mit dem Namen meines Blogs hast du recht. Jedoch gilt die Taube als ein Symbol des Friedens. Bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Jonas wird neben der Bedeutung “Taube” übrigens auch “der Friedliebende” angegeben.

by friedenstaube [jonas] on 8. Januar 2009 at 2:23. Antworten #

@jonas:

Ja, der Verweis auf die Gefahren ist berechtigt und notwendig – keine Frage!

Zum Friedliebenden: also, aus dem Hebräischen bzw. für Jonas aus dem Griechischen (da ist nur die typische s-Endung für männliche Namen dazugekommen) läßt sich diese Bedeutung definitiv nicht ableiten, das ist wohl eher eine späte Zuschreibung aufgrund der Symbolhaftigkeit der Taube. Wikipedia liegt somit falsch. Aber ich möchte Dir damit, wie gesagt, nicht die Friedliebigkeit absprechen … ich will nur ein wenig klugscheißen … ;-)

by Tobias Lampert on 8. Januar 2009 at 8:59. Antworten #

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